Monat: August 2016

Besitz und Begriffsbildung

 

Besitzstandswahrung: Warum die einst so erfolgreiche Kampfparole reif ist für einen politischen Frontenwechsel. Ein Rückblick auf eine bizarre Begriffskarriere

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Der „Realist“ auf hohem Ross

Wenn die Gegner der Flüchtlingsaufnahme auf der Moralorgel ihre moralkritischen Weisen spielen, verwandeln sie gern mal ein ethisches Dilemma in eine Kampfparole: Die Argumentationsfigur „Verantwortungsethik versus Gesinnungsethik“

So manchem, der gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist, dürfte es peinlich sein, mit jenen in einen Topf geworfen zu werden, die ihren rassistischen Ressentiments freien Lauf lassen. Die höheren Stände wollen sich nicht mit den Reflexen des Pöbels gemein machen, sie verlangt es nach dem standesgemäßen Ritual der Reflexion. In solchen Situationen ist es üblich, auf die Argumentationsfigur „Verantwortungsethik versus Gesinnungsethik“ zurückzugreifen.

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Poltern und schleichen

Zum ersten Mal während ihrer Kanzlerschaft, mit ihrer Flüchtlingspolitik, ist es Angela Merkel nicht möglich, ihren entpolitisierenden Regierungsstil der unauffälligen Handhabung der Regierungsgeschäfte erfolgreich durchzuhalten. Aber es gelingt ihr noch immer, das viel wichtigere gesellschaftliche Problem, die sozialen Macht- und Verteilungsfragen, aus der Streitzone herauszuhalten. Merkel versteckt ihre sozialpolitische Agenda still hinter der Rede von der Alternativlosigkeit. Ihr Vorgänger Schröder hingegen hatte sich in der lauten Inszenierung von „Bastapolitik“ gefallen. Ein Vergleich ihrer ungleichen Regierungsstile zeigt: Eine Differenz, keine Alternative.

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Mein neoliberales Credo

Ich glaube,

 

  • dass man im Abschwung Lohnzurückhaltung üben muss, um die Krise nicht zu verschlimmern
  • dass man im Aufschwung Lohnzurückhaltung üben muss, um ihn nicht zu gefährden
  • dass man in der Hochkonjunktur Lohnzurückhaltung üben muss, um nicht einen Abschwung zu provozieren
  • dass unser Wohlstand vom Export abhängt
  • dass der Export am besten durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors gefördert wird
  • dass es „uns so gut geht“, weil Millionen wenig verdienen
  • dass sich Leistung wieder lohnen muss, weshalb auch bei der Erwirtschaftung von Verlusten den Managern stattliche Boni ausgezahlt werden
  • dass Chancengleichheit herrscht, weil die Erbschaftsteuer so niedrig ist
  • dass das alles irgendwie zusammenhängt, auch wenn es nicht zusammenpasst
  • dass, wer das nicht verstehen will, „von Wirtschaft nichts versteht“
  • dass deshalb nur eins bleibt: „Credo quia absurdum“

 

Der Satz „Credo quia absurdum“ (Ich glaube, weil es unvernünftig/widersinnig ist) hat seinen legitimen Platz in theologischen Disputen.

 

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Der Spießer als Rebell (1)

Ein paar skizzenhafte Überlegungen zum Gerede über die „Diktatur der Politischen Korrektheit“.

  1. Hat es überhaupt einen Sinn, gegen dieses Gerede von der „Diktatur der Politischen Korrektheit“ anzuschreiben? Ein pessimistischer Einstieg. Und ein trotziger: Warum ich auf den traditionellen Spießer-Begriff zurückgreife

 

Meine Erfahrung als Journalist, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten immer mal wieder mit dieser pseudokritischen rhetorischen Figur der „Politischen Korrektheit“ beschäftigt hat, gibt Anlass zum Pessimismus: Gegen populäre Phrasen ist immer schwer anzukommen – solange sie allenthalben auf gedankenlose Zustimmung oder stummes Einverständnis treffen, als sei vollkommen klar, wofür sie stehen und wogegen sie sich richten.

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FREIHEIT, GLEICHHEIT, BRÜDERLICHKEIT – JA WAS DENN SONST?

Derzeit tritt dieser Trias der Französischen Revolution das so diffuse wie aggressive Trio „Wirtschaftsfreiheit, Ungleichheit, Blutsbrüderschaft“ entgegen.  Und der herrschende Politikbetrieb verzwergt mit seiner PR-geleiteten Selbstinszenierung den Bürger zum  Politikkonsumenten, der nichts mehr fordert als „Friede, Freude Eierkuchen“. Und der mit Wut reagiert, wenn er seine Gemütsruhe gefährdet sieht. Es bedarf einer nachdrücklichen Erinnerung an die normativen, vor allem auch sozialstaatlichen Grundlagen unserer Demokratie. Einige politisch korrekte Anmerkungen. (mehr …)