Trollig

Donald Trump ist zum Präsidenten der USA gewählt worden. Warum nur? Hier zwei — nicht untypische — „Erklärungen“, die am Morgen danach im Deutschlandfunk zu hören waren: Demnach sind dafür „der Populismus“ und auch die „politische Korrektheit“ verantwortlich.

Tja, warum nur haben der Turbo-Troll Trump, Orban oder Wilders so viel Zulauf? Der Grund, meinte ein hierzu befragter Journalist im Deutschlandfunk, sei „der Populismus“. Dass die Armut „von der Powerteh“ kommt, hatte schon Fritz Reuters‘ Romanfigur Onkel Bräsig festgestellt. Er ist das Vorbild des bräsigen Mainstream-Journalisten, der gern mal mit zirkulären Erklärungen um den heißen Brei herumtänzelt: nämlich die sozioökonomische Ursache der politischen Misere. Es sind die wachsende soziale Ungleichheit und die Prekarisierung der Arbeitswelt, die sich der seit Jahrzehnten praktizierten neoliberalen Wirtschaftspolitik verdanken. Sie rufen politisch ausbeutbare Abstiegsängste hervor.

Für den Erfolg der populistischen Rechten werden in letzter Zeit von Leuten aus der seit Langem nach rechts driftenden Mitte gerne auch andere Schuldige namhaft gemacht. Die Vertreter der „politischen Korrektheit“, so der Vorwurf, machen es mit ihrer Impertinenz „den Populisten“ leicht. So verwies an jenem Morgen der FDP-EU-Parlamentarier Andreas Graf Lambsdorff darauf, dass die  „einfachen Leute“ von den Eliten nicht mehr erreicht werden. Die Arbeiter, bei denen Trump  mit seinen Verstößen gegen die politische Korrektheit ankam, zeigten eine Abwehrreaktion gegen die entsprechenden, bei den Eliten dominierenden Diskurse (Genderdebatte, Klimaerwärmung, Sexismus, Rassismus). Deshalb, so dürfen wir schließen, sind jene, die sich von der Globalisierung abgehängt „fühlen“ (darauf legt Lambsdorff wert), so anfällig für Populistenpropaganda.

Was kann aus einer solchen Banalyse folgen? „Die Eliten“ sollen wohl diese gefühlt Abgehängten wieder zu „erreichen“ versuchen. Schön. Aber wie? Sollen sie also mit der lästigen (volksfeindlichen?) politischen Korrektheit aufhören und sich ein Vorbild an den Populisten nehmen? Sollen sie etwa selbst zur Hatz auf Minderheiten oder Migranten blasen, damit sich die sozial fundierten Aggressionen (dieser Verlierer!) an einem kulturell zu definierenden Ziel austoben können? Wie man trotz einer (im Kleingedruckten versteckten) neoliberalen Agenda die von eben dieser geschädigten „Abgehängten“ einfängt, hat die AFD ja vorgemacht.

Nur dann, wenn man im Ungefähren bleibt, wird nicht klar, dass diese „Eliten“ zu einer solchen (letztlich autoritären) Strategie nur eine echte Alternative haben, die sie aber gerade verweigern: etwa die Beendigung einer Austeritätspolitik, die Millionen Menschen in prekäre Lebensverhältnisse drängt, und eine gerechte Steuerpolitik, die die extreme Ungleichheit mildert.

Dass diese praktische Antwort auf die populistischen Trollerien keinen prominenten Platz auf der politischen Agenda hat, dafür sind die klassische (sozialdemokratische) Linke und die bei den Grünen grau gewordenen Achtundsechziger verantwortlich, die den „klassischen“ Klassenkonflikt ignorieren (oder ihn leugnen). Und die sich stattdessen ausschließlich den Emanzipationszielen von Minderheiten und dem (berechtigten) Kampf gegen Diskriminierung gewidmet haben.

Die Gleichheit der Geschlechter kann allerdings nicht in einem System der sozialen Ungleichheit erkämpft werden.

 

 

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